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UX in virtuellen Welten

Mit Augmented Reality (AR), Mixed Reality (MR) und Virtual Reality (VR) stehen Marken neue, mächtige Instrumente zur Verfügung, um außergewöhnliche Marken- und Produkterlebnisse für Kunden zu schaffen. Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Doch ob man die Kunden am Ende begeistert oder enttäuscht, hängt von der User Experience ab.

Was ist User Experience?

Der Begriff „User Experience“ (UX) steht für die gesamte Erfahrung, die ein Nutzer mit einem Produkt macht. Mit ihr sind nicht nur Funktionalität und Bedienbarkeit (Usability) des Produktes gemeint, sondern ebenso die emotionale Bewertung: Macht es dem Nutzer Spaß, das Produkt zu benutzen? Empfindet er die Gestaltung als angenehm? Fasst er beim Gebrauch Vertrauen zum Produkt? – Das heißt: Es sind sowohl die objektiven als auch subjektiven Eindrücke, die darüber entscheiden, ob ein Produkt von den Nutzern angenommen und letztendlich erfolgreich sein wird.

Erfolgsfaktor UX

Die meisten Produkthersteller und -entwickler können ein Lied davon singen, wie wichtig das Nutzererlebnis ist: Ein Produkt kann noch so innovativ, nützlich oder günstig sein – ist der Umgang damit kompliziert oder trifft es aus irgendeinem Grund nicht den Geschmack der Zielgruppe, wird dieses es schwer haben, sich zu etablieren.

Ein gutes Beispiel dafür sind Apps: Von den rund 2,6 Millionen Apps, die aktuell im Apples App Store und Google Play Store zu finden sind, werden nur ein Bruchteil heruntergeladen. Noch weniger werden aktiv genutzt und die allerwenigsten setzen sich langfristig durch. Warum das so ist, wird klar, wenn man sich das typische Nutzerverhalten vor Augen führt: Wer eine App zu einem bestimmten Thema sucht, sieht sich in der Regel mit einer riesigen Auswahl konfrontiert. Die Entscheidung fällt dann meist auf eine Anwendung, die die gewünschten Funktionen bietet, optisch einen guten Eindruck macht und gute Bewertungen hat. Entspricht die App aber beim Gebrauch nicht der Nutzererwartung, endet sie schnell als Dateileiche auf dem Smartphone oder wird gelöscht.  

Der Faktor UX wird deshalb oft bereits in der Entwicklungsphase von Produkten berücksichtigt. Das Ziel ist es, mittels UX-Design den Bedürfnissen, Erwartungen und Geschmäckern der potenziellen Nutzer von vornherein entgegenzukommen. Da aber Zielgruppen unterschiedlich sind und auch Psychologie und Trends eine Rolle spielen, ist das leichter gesagt als getan: Während es für die Usability Normgrundlagen wie die DIN EN ISO 9241 gibt, lassen sich emotionale Reaktionen nicht immer vorhersagen. Das beste Mittel, um die UX zu optimieren, sind deshalb wiederholte Tests mit Probanden.

Ein weites Feld: die virtuelle UX

Noch schwieriger gestaltet sich die UX-Optimierung bei virtuellen Inhalten. Virtuelle Realitäten sind ein relativ neues Feld und noch gibt es für sie keine allgemeingültigen UX-Standards. Hier geht Probieren oft über Studieren. Je nach verwendeter Technologie ergeben sich zudem unterschiedliche Herausforderungen. Dennoch gibt es einige Aspekte, die für die User Experience in jeder virtuellen Anwendung relevant sind:

Kohärenz

Die grundlegende Zutat für eine gute UX in Extended Realities (XR) ist die Kohärenz. Mit ihr ist gemeint, dass alle Elemente einer virtuellen Anwendung zueinander und zum Kontext passen. Nur wenn alles ein kohärentes, d.h. ein zusammenhängendes und in sich schlüssiges Ganzes ergibt, kann der Nutzer in das virtuelle Erlebnis eintauchen und es als „echt“ empfinden – dieser Effekt wird auch Immersion genannt.

Folgende Punkte wirken sich auf die Kohärenz von virtuellen Experiences aus:

-    Einheitliches Design: Der Nutzer nimmt ähnlich gestaltete Elemente als zusammengehörig wahr. Abweichungen im Designstil können aber legitim sein, wenn bestimmte Inhalte hervorgehoben werden sollen.

-    Virtueller Kontext: Die virtuellen Elemente einer Anwendung sollten inhaltlich und visuell zum thematischen Rahmen passen. Im Idealfall ist das Thema der Experience für den Nutzer sofort und jederzeit erkennbar. Für VR-Anwendungen ist dies besonders wichtig, da hier der Erlebnisraum in sich geschlossen beziehungsweise von der Wirklichkeit abgekoppelt ist. Ist der Kontext nicht klar, wird es dem Nutzer schwerfallen, sich in der virtuellen Welt zu orientieren.

-    Realer Kontext: AR-Inhalte stehen zusätzlich in einem realen Kontext, da sie in real existierende Umgebungen projiziert werden. Je besser sie sich darin einfügen und Bezug darauf nehmen, desto authentischer wirken sie. – Ein AR-Stadtführer, der durch Wände geht oder Sehenswürdigkeiten verwechselt, wäre zum Beispiel nicht sehr glaubwürdig.

-    Inhaltlicher Aufbau: Die Reihenfolge, in der der Nutzer die virtuellen Inhalte einer Experience erlebt, wirkt sich darauf aus, ob er diese als kohärent wahrnimmt. Ebenso spielt es eine Rolle, wie die Übergänge gestaltet sind und wie sehr die einzelnen Bestandteile inhaltlich aufeinander aufbauen. Mit Storytelling kann zusätzlich ein Erzählfaden geschaffen werden, der den Nutzer durch die Experience führt.

-    Einheitliche Interaktionsmöglichkeiten: Ein Vorteil von XR-Erlebnissen ist, dass der Nutzer selbst zum Akteur werden kann. Dazu muss er die Interaktionsmöglichkeiten kennen beziehungsweise möglichst intuitiv handeln können. Dabei ist es wichtig, dass im Laufe einer Experience die gleichen Befehle und Aktionselemente immer auch die gleichen Handlungen ermöglichen. Wenn zum Beispiel ein Wisch nach rechts einmal die Farbe eines Objektes ändert und ein anderes Mal ein neues Kapitel einleitet, sorgt das schnell für Verwirrung.

Fokus und Aufmerksamkeit

Eine typische Herausforderung bei VR- und MR-Anwendungen ist es, die Aufmerksamkeit des Nutzers auf die Kerninhalte der Experiences zu lenken. Es muss sichergestellt werden, dass er sich nicht auf Nebensächliches konzentriert, während das Wichtigste am Rande seiner Wahrnehmung oder hinter ihm stattfindet. Zum Trickarsenal, um die gewünschten Inhalte in den Fokus zu rücken, gehören zum Beispiel akustische Signale sowie Bewegungs- und Animationseffekte. Gute Dienste leistet auch ein virtueller Experience-Guide, der dem Nutzer zur Seite steht.

In Mixed Reality lässt sich das Problem zudem auf die Weise lösen, dass die Inhalte im Blickfeld des Nutzers verankert bleiben. In Augmented Reality wiederum ist das Blickfeld der Smartphone-Screen. Hier geht es mehr um die Frage, worauf der Nutzer seine Smartphone-Kamera richten soll, um die AR-Experience zu aktivieren. Antworten könnten beispielsweise Text- und Sprachhinweise liefern.

Storytelling

Storytelling ist nicht nur für die Kohärenz wichtig. Durch Geschichten gewinnen Erlebnisse an Spannung und Emotion. Der Nutzer ist dann nicht nur eher bereit, sich auf das virtuelle Geschehen einzulassen und sich damit zu identifizieren, er wird sich später an das Erlebnis auch besser erinnern. Wichtig beim Storytelling in XR ist jedoch, den Nutzer als aktiven Part einzubeziehen. Das bedeutet, dass das Storytelling auch die Interaktionsmöglichkeiten des Nutzers und die Art, wie sie die Handlung verändern können, berücksichtigen muss.

Gamification

Eine weitere Möglichkeit, um das Engagement des Nutzers zu steigern, ist Gamification. Spiele motivieren den Nutzer, mit der virtuellen Welt zu interagieren, und sorgen für eine individuelle Erfahrung. Spielbelohnungen wie Punkte sammeln, Ranglisten, Titel u.Ä. erhöhen den Spaßfaktor in der UX zusätzlich.

Individualisierung

Je besser sich der Nutzer mit virtuellen Inhalten identifizieren kann, desto positiver fällt seine User Experience aus. Identifikation entsteht, wenn er sich selbst einbringen und das Erlebnis mitgestalten kann. Aus diesem Grund ist es von Vorteil, XR-Experiences zu individualisieren. Eine Möglichkeit dazu liegt in der Interaktion: Indem der Nutzer selbst entscheidet, welche Handlungen er wann ausführt, kann er Einfluss auf den Ablauf und Inhalt seiner Experience nehmen. Auch Gamification (siehe oben) und die Option, das Erlebte mit Freunden zu teilen, können zu einer unverwechselbaren, individuellen Erfahrung beitragen.

Performance

Ein wichtiger Faktor für die UX ist sicherlich auch die Performance einer Anwendung. Die Tage langer Rechenzeiten und niedriger Latenzen sind zum Glück jedoch gezählt. Ausgereiftere Technologien, 5G und wachsende Rechenpower werden in Zukunft dafür sorgen, dass der Datenfluss nicht mehr ins Stocken gerät. Im Bereich Augmented Reality gibt es mit WebAR zudem eine neue Lösung für reibungslose Experiences.

Beispiel: Die BMW X2 Holo Experience

Die BMW X2 HoloExperience von SAINT ELMO’S Berlin, die 2018 bei den UX Awards nominiert wurde, veranschaulicht, wie die Kombination einzelner Maßnahmen zu einer optimalen UX führt. Die Mixed-Reality-Anwendung stand im Kontext der Markteinführung des BMW X2 und sollte das neue Fahrzeug erlebbar machen, noch bevor dieses in den BMW Showrooms ausgestellt wurde.

Als Teil der Launchkampagne greift die BMW X2 HoloExperience die Stories und die visuelle Sprache der TV-Werbeclips auf und lässt den Nutzer virtuell in die Welt des BMW X2 eintauchen. Damit sich die virtuellen Elemente der Anwendung jederzeit nahtlos in den realen Raum einfügen, entwickelte SAINT ELMO’S Berlin ein speziell gestaltetes, transportables Booth, das bei jedem Anwendungseinsatz den räumlichen Rahmen bildete.

Der Nutzer kann während der Anwendung selbst agieren, indem er zum Beispiel selbst über die Reihenfolge bestimmt, in der er die Fahrzeugfeatures entdeckt. Spielerische Elemente, die sich am Storytelling der TV-Spots orientieren, sind ebenfalls enthalten: So kann der Nutzer das Fahrzeug durch die Wände eines Bürolabyrinths fahren lassen oder es in Farbpools eintauchen, um die Exterieurfarbe zu verändern. Und um das Erlebnis noch individueller zu machen, hat er die Möglichkeit, sein eigenes, holografisches Alter Ego neben das virtuelle Auto zu platzieren und ein Selfie zu machen. Dieses kann er anschließend an Freunde schicken oder in Social Media teilen.


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