Saint Elmo's: Travel Diary #2: Wie bleiben Führungskräfte zukunftsfähig?

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Travel Diary #2: Wie bleiben Führungskräfte zukunftsfähig?

22. Oktober 2019, Verena Feyock

Wie bleibt unser Unternehmen in Zeiten rasanter, vom digitalen Wandel getriebener Veränderungen zukunftsfähig? Darüber nachzudenken, ist unsere Aufgabe als Geschäftsführer und Gesellschafter. Wie aber bleiben wir selbst als Führungskräfte zukunftsfähig? Ich denke, indem wir uns persönlich ständig weiterentwickeln, indem wir Neues wagen und immer wieder neue Perspektiven ein- und Herausforderungen annehmen.

Diese Überzeugung war Antrieb für meine Entscheidung, mich als Geschäftsführerin von Saint Elmo’s Tourismusmarketing der Challenge zu stellen, berufsbegleitend einen MBA zu absolvieren. Nicht nur, um mein Wissen aufzufrischen und auszubauen, sondern eben auch, weil der MBA eine ideale Möglichkeit ist, an seinen persönlichen Motivationen und Potenzialen zu arbeiten – insbesondere durch den intensiven Austausch mit Führungskräften aus anderen Branchen und die Begegnung mit Dozenten, die einen triggern, sich selbst zu reflektieren und zu hinterfragen: Wo stehe ich und wo will ich hin?

Wohin diese Fragen mich auf meiner Reise zum MBA führen würden, war ziemlich schnell klar. Im Zuge der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Thema Wirtschaft und Führung der Zukunft kristallisierten sich zwei Aspekte heraus, die mich am meisten beschäftigen: die Faktoren Mensch und Unternehmenskultur.

Wo stehen wir aktuell?

In der heutigen Zeit verändert sich die Arbeitswelt so stark wie nie zuvor, und die Digitalisierung formt neue Spielregeln. Moderne Parameter der Arbeitskultur sind Agilität, Flexibilität und Mobilität; hinzu kommen erfolgskritische Kernkompetenzen wie Schnelligkeit und Innovationsfähigkeit.

Gleichzeitig zielt New Work auf einen radikalen Wandel der Unternehmenskultur ab. Wie in meinem Artikel „Die Reise nach New Work“ beschrieben, muss ein solcher Wandel stets auf der Führungsebene beginnen, weshalb neue Führungsstrategien benötigt werden. Bei diesen neuen Führungsstrategien ist ein Aspekt besonders wesentlich: Nicht mehr die Methodik steht im Vordergrund, sondern der Mensch. Denn der Mensch ist heute der entscheidende Wertschöpfungsfaktor im ökonomischen Wettbewerb – oder wie mein persönliches Motto besagt: It's all about people.

Diese Herausforderungen spiegeln sich gerade in der Agenturbranche als erfolgskritische Faktoren wider, denn der Unternehmenserfolg basiert hier fast gänzlich auf den Fähigkeiten und Leistungen der Mitarbeiter. Die Branche ist durch ihre Schnelllebigkeit gekennzeichnet, die Fluktuation ist höher, infolgedessen ist die Haltbarkeit von Wissen und Erfahrung begrenzt. Gleichzeitig verlangt die Branche jedoch die kontinuierliche Entwicklung von Innovationen, um im Wettbewerb bestehen zu können. Wird der Mensch nicht als Ressource in der Unternehmensrechnung abgebildet, entsteht eine zunehmende Lücke zwischen dem Markt- und Buchwert eines Unternehmens. Was in der Dienstleistungsbranche am deutlichsten sicht- und spürbar wird.

Der Mensch als entscheidender Wertschöpfungsfaktor

Mein Vorschlag ist, die Vermögenswerte in der Bilanz um die Position Humanvermögen zu ergänzen. Unter Humanvermögen – nicht zu verwechseln mit dem ökonomisch orientierten Begriff Humankapital – sind alle Leistungspotenziale subsumiert, die einem Unternehmen durch seine Mitarbeiter zur Verfügung gestellt werden.

Es geht bei diesem Ansatz keinesfalls darum, den Menschen auf einen ökonomischen Faktor zu reduzieren. Aber gerade für Agenturen wird es in Zukunft zwingend notwendig sein, den Menschen als wichtigen Wertschöpfungsfaktor in die Bilanz aufzunehmen. Denn diese Werte werden aktuell im bestehenden Wirtschaftssystem außer Acht gelassen und können nur bedingt „freiwillig“ oder über alternative Wirtschaftsmodelle überhaupt dargestellt werden.

Die vordringlichste Aufgabe von Unternehmen in der Beratungsbranche aber ist es, eine neue, auf den Menschen fokussierte Unternehmenskultur zu schaffen, auf deren Basis das Humanvermögen gestärkt wird und das Unternehmen erfolgreich durch die digitale Transformation geführt werden kann. Hier braucht es ein Umdenken im Zeitalter der Wissensgesellschaft sowie die Sichtbarkeit und neue Bewertungsansätze, denn Mensch und Kultur bilden wichtige Werte im Unternehmen und sind wesentliche Erfolgsfaktoren.

Partizipation als Schlüssel für eine erfolgreiche digitale Transformation

Die Erkenntnis ist naheliegend, dass die Bewertung von Humanvermögen und auch die Entwicklung einer neuen Unternehmenskultur eine individuelle Angelegenheit ist, die nur anhand der spezifischen Gegebenheiten im jeweiligen Unternehmen bzw. gegebenenfalls innerhalb einer bestimmten Branche möglich ist – und dass dies nur in Kooperation mit den Mitarbeitern zu einem befriedigenden Ergebnis führt. Deswegen wurde aus meiner Reise zum MBA an diesem Punkt eine Reise des gesamten Teams von Saint Elmo’s Tourismusmarketing.

Um alle Mitarbeiter an unserer Unternehmenskultur und unserer Strategie für die kommenden Jahre mitarbeiten zu lassen, initiierten wir im Unternehmen einen partizipativen Strategieprozess. Aufgeteilt in vier Themengruppen (Flagge, Kunde, Mitarbeiter & Portfolio) haben sich alle Mitarbeiter, vom Junior bis zum Geschäftsführer, in den Strategieprozess einbringen können. Um die Stationen unserer Reise anschaulich und für alle nachvollziehbar zu gestalten, erstellten wir eine Landkarte und legten darauf Etappen in Form von Inseln fest: Die Route startete auf der Insel „Abreisen“ – hier ging es u.a. um die Planung und Vorbereitung der Expedition. Auf der Insel Entdecken“ widmeten wir uns der Analyse des Ist-Zustands: Wer sind wir, wie arbeiten wir, haben wir eine gemeinsame Kultur, warum gibt es uns überhaupt? Auf die Insel „Reflektieren“ (u.a. Team-Zusammenstellung) folgte die Insel „Entwickeln“, wo wir gemeinsam mit Hilfe von Design-Thinking-Methoden unsere Strategie ausarbeiteten. Auf der Insel „Zurückkommen“ schlossen wir unsere Reise ab.

Auf diese Weise entstand ein Manifest, das uns in den kommenden Jahren auf Kurs halten soll und dem wir agil und in kleinen Arbeitsgruppen immer vierteljährlich an der Strategie und deren Handlungsfelder weiterarbeiten und mit Leben füllen. Es entstanden drei Kernaussagen, die das Credo von Saint Elmo’s Tourismusmarketing formulieren: 1. Wir schaffen Werte und Wertvolles für alle Beteiligten. 2. Wir übernehmen Verantwortung. 3. Wir bewegen und stärken Menschen.

Durch diesen partizipativen Strategieprozess konnte ich auf meiner Reise zum MBA nicht nur am „lebenden Objekt“ forschen, sondern haben wir die gewonnenen Erkenntnisse auch direkt ins Team „einbringen“ können.

Ende und Anfang einer Reise

Meine Reise zum MBA ist erfolgreich abgeschlossen und hat mir viele lehrreiche und wichtige Erkenntnisse gebracht. Es war ein Trip hinaus aus der Komfortzone und hat mir einiges abverlangt: Die Doppelbelastung hat mich teilweise an meine Grenzen gebracht und auch Widerstände für diese Haltung und Aussage gehören zu meiner Reise.

Dass die wichtigsten Treiber für Erfolg Mensch und Unternehmenskultur sind, ist eine Tatsache, die in der Wirtschaft und Wissenschaft häufig noch auf Skepsis und Zurückhaltung stößt. Umso wichtiger waren für mich, und sind es auch weiterhin, Pioniere, die einen neuen, zukunftsfähigen Ansatz von Wirtschaft und Führung vordenken und vorleben. Im Video unten kommen ein paar solcher Vordenker und Macher zu Wort.

Wie wichtig der Mensch für den Erfolg eines Projekts ist, habe ich auf meiner Reise zum MBA selbst erlebt: Ohne mein großartiges Team hätte ich mein Ziel nicht erreicht. Doch dieser Trip war nur ein Anfang. Mein MBA war ein wichtiger Entwicklungsschritt für mich persönlich, aber auch für Saint Elmo’s Tourismusmarketing. Wir wollen diesem relevanten Thema in Zukunft bewusst mehr Aufmerksamkeit widmen und gemeinsam mit dem Team das Unternehmen zukunftsfähig gestalten. Deshalb brechen wir jetzt zu den nächsten Etappen dieser gemeinsamen Reise auf.

Sicher, diese teilweise radikale, aber benötigte Weiterentwicklung ist kein Selbstläufer, sondern eher ein Lernprozess und Lebensaufgabe. Im Führungskreis müssen wir es immer wieder gemeinsam vorleben und im Team das Gefühl für Gemeinschaft stärken. Wir müssen mutig sein, Experimente wagen und es aushalten, auch mal in einer Sackgasse zu landen. Für dieses Langzeitprojekt braucht es Zeit und Lust, es braucht die Bereitschaft zu Partizipation – und auf Seiten des Teams Eigenverantwortung.

Wir gehen es an und setzen unsere Reise fort. Wohin uns die nächsten Etappen führen werden, auf welchen Wegen wir unsere Ziele erreichen und auf welche Hindernisse wir stoßen werden, wird sich zeigen. Die Fortsetzung des Travel Diarys folgt. Ich freue mich darauf!
 

 

Saint Elmo's Travel Diary
Saint Elmo's: Verena Feyock Autor

Über die Autorin

Mit dem Agentur-Virus geboren!
Tourismusprofi und Expertin für Destinationen, Seilbahnen, Freizeiteinrichtungen und Hotellerie, die mit Herzblut für Stakeholder und Shareholder mit fachlicher Kompetenz und menschlichem Gespür das Beste gibt.

E-Mail: v.feyock@tourismusmarketing.com

 

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